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Meine Freundin, die Jacke
Sagen wir es, wie es ist: eine Jacke brauchen wir nicht nur für besondere Anlässe. Sie ist die treue Freundin, die dir Sicherheit gibt und zugleich ein bisschen rebellisch ist und dir kurz vor einer wichtigen Verabredung ins Ohr flüstert: „Du bist großartig, du schaffst das“ und Freitagabend stoßen wir zusammen auf das Leben an. Wir sprechen von der Jacke.
Mein figurbetonter Blazer
Als echte Freundin kannst du jahrelang nicht mit ihr ausgehen, aber wenn du sie dann aus dem Schrank nimmst ist es, als hätten wir uns am Abend zuvor gesehen.
Ich zum Beispiel war vernarrt in flippige Lieblingsteile, wie der grobgestrickte Pullover, das eng anliegende Top, die luftige Bluse, bis ich eines Tages kapiert habe, dass ich ohne meine Jacke nicht leben kann. Reden wir nicht drum herum: in diesem Sammelsurium glühender Liebschaften, aus denen meine Garderobe besteht, ist die Jacke mein absoluter Liebling, die endlose Liebe, derer ich nie überdrüssig werde.
Fließende Kleider, Kombis aus Bluse und Rock, T-Shirt und Jeans. Es gibt keinen Look, zu dem ein Blazer nicht passt, egal wie alt du bist, egal welche Jahreszeit wir haben, Hauptsache, es ist der richtige Blazer. Entscheidend ist nicht die Farbe oder der Schnitt, eine schöne Jacke ist diejenige, die du gar nicht spürst, wenn du sie trägst.
Ich erinnere mich noch an die erste perfekt geschneiderte Jacke, die ich mir gekauft habe, ein echtes Ritual als Einstieg in die Modewelt. Als waschechte Einwohnerin von Biella, die Stadt der Weber, wo sie dir die eine Hand geben, während die andere den Stoff betastet, habe ich einen Stoffzipfel in die Hand genommen (das „echte Zeug“ lässt sich leicht dehnen). Dann habe ich die Nähte kontrolliert, gerade, dicht, perfekt aufgereiht wie brave Schülerinnen der Nähkunst, den korrekten Fall der Schlitze, die Zierstiche bzw. die handgearbeiteten Säume, wie es sich für die typische hochwertige Jacke gehört, und auch den Umschlag des Kragens auf der Rückseite. Wenn die Naht, mit der er am Rückenteil befestigt ist, nicht gut verdeckt ist, steht die Jacke ab.
Und als ich sie dann endlich angezogen habe, ah, was für ein Gefühl, wie leicht sie auf meinen Schultern lag.
Cristina Manfredi
