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Der Trenchcoat: Eleganz, die jedes Frühjahr wiederkehrt

von Alice Colino

„Der April macht, was er will“

 

ist einer dieser Sätze, die jedes Jahr die länger und wärmer werdenden Tage begleiten. Im Grunde beschreibt er die Übergangssaison auch wirklich perfekt: labil, unvorhersehbar, irgendwo zwischen dem Wunsch nach Leichtigkeit und dem immer noch vorhandenen Bedürfnis, sich in eine wärmende Schutzschicht kuscheln zu können.

 

April ist eben ein Übergang.

 

Man verlässt das Haus bei Sonne und kehrt bei Wind zurück. Man greift zu leichteren Stoffen, aber man braucht immer noch etwas zusätzlich, das schützt, ohne zu beschweren. Und genau an diesem schmalen Grat leistet der Trenchcoat jedes Mal beste Dienste.

 

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Heute trägt man ihn ganz selbstverständlich, fast ohne darüber nachzudenken. Er ist eines dieser Kleidungsstücke, die funktionieren, die immer wieder zurückkehren, ohne jemals fehl am Platz zu wirken. Doch sein Ursprung ist weit von dieser Idee lässiger Eleganz entfernt.

 

Der Trenchcoat entstand Anfang des 20. Jahrhunderts als funktionelles Kleidungsstück, das für die Soldaten in

den Schützengräben entworfen wurde: wasserabweisend, strapazierfähig, genau das Richtige, um schwierige Situationen zu meistern. Es bot Schutz und Struktur und war unverzichtbar. Und vielleicht ist es gerade dieser so konkrete Ursprung, der ihn noch heute so vielseitig und authentisch macht. Tatsächlich änderte sich im Laufe der Zeit etwas: Der Trenchcoat trat aus dem militärischen Kontext heraus, wurde in den Alltag übernommen und langsam neu interpretiert.

 

Als er Teil der Frauengarderobe wurde, geschah das nicht als einfache Leihgabe, sondern als bewusste Wahl. Er veränderte sich, wurde weicher, passte sich neuen Körperformen und neuen Zwecken an. Er war nicht mehr nur ein Kleidungsstück das schützte, sondern ein Teil, das langsam zu einem Statement aufstieg. Die Linien wurden weicher, die Proportionen offener, aber seine Identität blieb unverändert. Er weiß ein seltenes Gleichgewicht zu beweisen: strukturiert genug, um eine Figur zu definieren, offen genug,

um sie nicht einzuengen. Genau diese Harmonie macht ihn auch so aktuell.

 

Der Trenchcoat hat eine dezente und zugleich kraftvolle Qualität: Er unterstreicht die Figur, ohne sich aufzudrängen. Er kann über einem leichten Kleid, Denim, mit etwas Raffinierterem getragen werden, und irgendwie gelingt es ihm immer, alles perfekt abzurunden. Offen getragen, im Wind wehend, wird er Teil der Bewegung, der Art und Weise, wie man einen Platz überquert. Es geht nicht nur darum, was man trägt, sondern auch darum, wie man es lebt.

 

In diesem Sinne nähert er sich einer Eleganz, die sich nicht zu erklären braucht. Er sucht nicht nach Aufmerksamkeit, aber er zieht ganz automatisch alle Blicke auf sich. Er fügt nichts hinzu, sondern sorgt für Ordnung. In einer Zeit, in der die Mode oft zum Exzess neigt, erinnert seine Präsenz daran, dass Maßhalten eine äußerst zeitgemäße Entscheidung sein kann.

 

Und genau darin liegt sein Wert. Nicht so sehr in dem, was er darstellt, sondern in dem, was er ermöglicht: Bewegungsfreiheit, Interpretationsfreiheit, Identität. Er ist ein Kleidungsstück, das sich anpasst und im echten Leben seinen natürlichen Platz finden. Und jedes Frühjahr kehrt er zurück. Nicht als Trend, sondern als zeitloses Kleidungsstück, als stille Gewissheit. Wie etwas, das wir bereits kennen und das jedes Mal aufs Neue – einfach passt.

 

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Alice Colino beschreibt Mode als Raum für Ausdruck, Inklusion und Bewusstsein. Die Content Creatorin, Modestudentin und Moderatorin des Podcasts „Fuori Misura“ beobachtet und studiert die Branche mit einem kritischen, aber konstruktiven Blick, und nicht zuletzt mit dem Ziel, von innen heraus zu einem echten Wandel beizutragen. Zwischen Mode, Beauty und Lifestyle fördert sie eine Kultur der Repräsentation und des Selbstvertrauens und gönnt jeder Art von Körper und Identität Ihre Wertschätzung. Für sie bedeutet Mode nicht nur Ästhetik, sondern Ausdruck von Kultur, Identität und neuer Möglichkeiten: ein Instrument, mit dem man die Kanons neu schreiben und den Raum der Repräsentation erweitern kann.